Biodiversitätsfreundliche Grünlandpflege: Amt Schrevenborn startet Modellprojekt mit neuer Mähtechnik und Echtzeit-Monitoring

Wie können kommunale Grünlandflächen ökologisch wertvoller, klimaresilienter und zugleich auf einer belastbaren Datengrundlage bewirtschaftet werden? Dieser Frage widmet sich ein neues Modellprojekt des Amtes Schrevenborn in Kooperation mit der HAW Kiel, die hierbei eng mit der F&E GmbH zusammenarbeitet, sowie der KielRegion. Zum Projektauftakt am 23. September 2026 präsentierten die Partner die neu angeschaffte Mähtechnik, die ein biodiversitätsfreundlicheres Management möglich macht, sowie das begleitende wissenschaftliche Monitoring.

Konventionelle Pflegeverfahren wie das regelmäßige Mulchen können natürliche Regenerationsprozesse und die Entwicklung vielfältiger Pflanzenbestände beeinträchtigen. Die Projektbeteiligten setzen daher auf ein angepasstes Mähmanagement und verbinden die praktische Bewirtschaftung der Grünlandflächen mit einer kontinuierlichen wissenschaftlichen Datenerhebung und dem Einsatz moderner LoRaWAN-Sensoren. Experten der HAW Kiel untersuchen, wie sich Bodenparameter wie Wasserspeichervermögen und die Artenzusammensetzung des Grünlands unter der veränderten Bewirtschaftung entwickeln. Das Vorhaben zielt darauf ab, die ökologischen Funktionen der Grünflächen zu stärken, ihre natürliche Erholung zu unterstützen und wichtige Lebensräume für Insekten und Kleintiere zu sichern.

Grünland als vielfältigen und widerstandsfähigen Lebensraum entwickeln

Die neue Bewirtschaftungsweise kombiniert mehrere Bausteine einer biodiversitätsfreundlichen Grünlandpflege. Das Scheibenmähwerk ist schonender als ein Mulch-Mäher. Ein speziell angefertigtes Vergrämungsgerät soll Insekten und Kleintiere frühzeitig zum Ausweichen anregen. Der Einsatz eines Schraders ermöglicht die spätere Heuaufnahme. Dies reduziert den Nährstoffeintrag.

Die insgesamt schonendere Mahd kann zu einer Aushagerung des Bodens beitragen, wodurch eine Zunahme der Pflanzenvielfalt erwartet wird. Angepasste Mähzeitpunkte und Mähmethoden erhalten Rückzugsräume für Insekten und Kleintiere und unterstützen die Entwicklung eines vielfältigeren Artenspektrums. Auch klimaresiliente Pflanzenbestände sollen von geringeren Eingriffen profitieren und sich langfristig etablieren können. Das Projekt verfolgt das Ziel, biologische Nischen zu erweitern und die kommunalen Grünlandflächen schrittweise zu vielfältigen und widerstandsfähigen Lebensräumen weiterzuentwickeln.

„Mit der Verbindung aus praktischer Grünlandpflege, digitaler Sensorik und wissenschaftlicher Begleitung zeigt das Projekt beispielhaft, wie Digitalisierung und kommunaler Umwelt- und Klimaschutz miteinander verknüpft werden können. Wir sind sehr gespannt, wie sich die ausgewählten Flächen in unseren drei Gemeinden in den nächsten Jahren entwickeln werden“, fasst Juliane Bohrer, Amtsdirektorin im Amt Schrevenborn, zusammen.

Monitoring macht Veränderungen messbar

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist das wissenschaftliche Monitoring durch die HAW Kiel. Mit ihrer Expertise begleitet sie die Entwicklung der Flächen in den amtsangehörigen Gemeinden Heikendorf, Mönkeberg und Schönkirchen. Die HAW wertet die erhobenen Daten aus und schafft damit eine fundierte Grundlage zur Bewertung der ökologischen Auswirkungen der neuen Bewirtschaftungsweise. „Das kontinuierliche Monitoring ist für uns ein zentraler Baustein des Projekts. Nur wenn wir ökologische Veränderungen präzise messen und wissenschaftlich auswerten, können wir belastbare Aussagen über die Wirkung neuer Bewirtschaftungsmethoden treffen. Die Echtzeitdaten ermöglichen uns, Entwicklungen früh zu erkennen und fundierte Empfehlungen für eine nachhaltigere Pflege kommunaler Grünlandflächen abzuleiten“, betont Prof. Dr. Tammo Peters. Peters` Professur für Grünlandwirtschaft und Klimaschutz an der HAW Kiel wird durch das Land Schleswig-Holstein gefördert.

Im Rahmen des Projekts kommt moderne LoRaWAN-Sensorik zum Einsatz. Die Sensorik ermöglicht die kontinuierliche Erfassung von Daten, etwa zu Bodenfeuchte, Temperatur und Mikroklima. Die gewonnenen Daten werden aufbereitet und in Echtzeit öffentlich zugänglich gemacht. Damit schafft das Projekt Transparenz und ermöglicht zugleich eine weitergehende Nutzung. Die Sensorik wird über ein Bundesförderprojekt der KielRegion kostenfrei bereitgestellt.

Projektauftakt am 23. September

Beim Auftakttermin am 23. September 2026 stellten das Amt Schrevenborn, die HAW Kiel und die KielRegion das neue Mähwerk und den Aufbau des Monitorings vor. Der Termin bildete den Projektauftakt, die ersten Bonituren werden bereits im Herbst durchgeführt.

Hintergrund

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) mit rund 24.780 Euro gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Das Amt Schrevenborn stellt Eigenmittel in Höhe von 14.540 Euro bereit.

Die Sensorik wird über das Bundesförderprojekt SmarterLeben | KielRegion zur Verfügung gestellt. Das gemeinsame Projekt der Landeshauptstadt Kiel sowie der Kreise Plön und Rendsburg-Eckernförde wird gemeinsam mit der KielRegion GmbH umgesetzt. Es gehört zu den derzeit 73 Modellprojekten Smart Cities (MPSC) und wird vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gefördert.

Pressekontakt

Amt Schrevenborn

Lars Stoltenberg, Fördermittel- und Projektmanagement
Tel.: 0431/2409-218
E-Mail L. Stoltenberg 

HAW Kiel

Prof. Dr. Tammo Peters, Professor für Grünlandwirtschaft und Klimaschutz
E-Mail T. Peters

KielRegion

Simon Radtke, Projektkoordinator Quartiersentwicklung (SmarterLeben)
E-Mail S. Radtke

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