Gegen das Vergessen: Zwei weitere Stolpersteine in Heikendorf

In Heikendorf wurden in den Straßen Schulredder und Blumenweg zwei Stolpersteine verlegt zur Erinnerung an zwei Opfer des Nationalsozialismus. Das Projekt wurde auf Initiative der Archivgruppe Heikendorf in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Heikendorf umgesetzt.

Dennis Rindermann von der Archivgruppe war bei Recherchearbeiten zu dem Buch "Heikendorf im Zweiten Weltkrieg", das die lokale Geschichte Heikendorfs während der NS-Zeit beleuchtet, auf das Schicksal der Familien aufmerksam geworden. Damit die Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten, regte Rindermann kurz nach der Buchveröffentlichung bei der Gemeinde die Verlegung von Stolpersteinen an - und bekam von Bürgermeister Tade Peetz eine Zusage für die Unterstützung des Projektes. Dank der Zeitzeugin Gretchen Stemplewski konnte gezielt nach Personen gesucht und in den entsprechenden Archiven und Gedenkstätten angefragt werden.

Mit dem Schicksal der beiden Menschen, denen die neuen Stolpersteine gewidmet sind, befasste sich auch die Klasse 10a der Grund- und Gemeinschaftsschule Heikendorf. Im früheren Wohnhaus im Schulredder 10 (heutiges Blumengeschäft Grams) lebte einst Familie Güldenzoph. Heinz Güldenzoph, Sohn des Zimmermanns Wilhelm Güldenzoph, war Landwirt. Er wurde am 16. Februar 1939 festgenommen und wenig tage später im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, später dann im April 1940 ins KZ Flossenbürg in Bayern verlegt. Da er dort als sogenannter SAW-Häftling mit der Nummer 2685 geführt wurde, ist anzunehmen, dass er als „wehrunwürdig“ angesehen wurde. Die Wehrmacht nutzte die Konzentrationslager als Disziplinierungsinstrument. Heinz Güldenzoph starb am 17. November 1941 im Alter von 27 Jahren. Als Todesursache wurde Lungentuberkulose angegeben.

Der zweite Stolperstein im Blumenweg vor dem Haus mit der Nummer 24 (heutiges Geschäft Raumausstattung Hoof) erinnert an Helmuth Kurzweg, dessen Familie dort damals wohnte. Der 1905 in Kiel-Gaarden geborene Helmuth Kurzweg, als Arbeiter auf der Kriegsmarinewerft beschäftigt, war von 1935 bis 1938 in der Landesheilanstalt Schleswig-Stadtfeld untergebracht. In der Einrichung wurde aufgrund seiner Schizophrenie die "Unfruchtbarmachung eines Kranken" veranlasst. Am 15. Juni 1939 erließ das Amtsgericht Kiel einen Haftbefehl gegen Helmuth Kurzweg wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch eine unzüchtige Handlung, die er am 14. Juni 1939 ausgeübt haben soll. Am 31. Oktober 1939 wurde er von der Strafkammer I in Kiel zur Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt verurteilt und am 21. November 1939 in die Landesheilanstalt Neustadt in Holstein gebracht. Am 20. Mai 1941 wurde Helmuth Kurzweg im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ zusammen mit 139 weiteren Menschen am frühen Morgen an der Rampe auf dem Neustädter Anstaltsgelände in einen Sonderzug der Deutschen Reichsbahn verladen und mit 139 weiteren Menschen direkt nach Bernburg an der Saale in die dortige Tötungsanstalt gefahren. 

Ein erster Stolperstein wurde in Heikendorf im Februar 2024 vor dem Wohngebäude in der Schützenstraße 6 verlegt - in Erinnerung an die Hedwig Lunczer, geb. Wulff,  die jüdischen Glaubens war und sich einen Tag vor ihrer Deportation am 17. Juli 1942 im Alter von 83 Jahren das Leben nahm.

Die Aktion Stolpersteine sind ein Projekt des Berliner Künstlers Gunter Demnig. Seit 1996 wird mit den im Boden verlegten kleinen Messingtafeln an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Ein Dank ging von Heikendorfs Bürgervorsteherin Nicola Specker an alle Beteiligten der Aktion, besonders an Dennis Rindermann von der Archivgruppe für dessen besonderes Engagement. 

Letzte Meldungen

Alle Meldungen