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Geschichte der Gemeinde Heikendorf

Heikendorf ist einer der ältesten Wohnplätze an der Kieler Förde und wurde im Zuge der Kolonisation und Christianisierung Ostholsteins im 12. Jahrhundert besiedelt. Der Name Heikendorf wird 1233 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und bedeutet „Dorf des Heike“, was auf einen Ritter oder Adeligen als Gründer hinweist.

Knapp 50 Jahre später findet man die erste Erwähnung des Dorfes Schrevenborn (Des Grafen Brunnen) und 1478 wird Neuheikendorf zum ersten Mal genannt. Alle Orte sind kleine Bauerndörfer mit wenigen Bauernstellen. Erst 1613 wird in einer Urkunde Möltenort als Ansiedlung von Fischern aufgeführt. Alle Ortschaften gehörten zu diesem Zeitpunkt zum Gut Schrevenborn.

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Die Anfänge


Ein genaues Datum für die Entstehung des Gutes Schrevenborn lässt sich nicht festmachen, doch sind die Namen seiner Besitzer etwa seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bekannt.

Gut Schrevenborn Ende des 19. Jahrhunderts
Gut Schrevenborn Ende des 19. Jahrhunderts

Ursprünglich waren die Bauern in den Dörfern frei, doch im Zuge der Ausbildung der Gutsherrschaft Mitte des 16. Jahrhunderts hatten sie nicht länger nur Abgaben und Dienste zu leisten, sondern verloren ihre persönliche Freiheit und wurden zu Leibeigenen.

Ab etwa 1760 hoben die ersten Gutsherren in Schleswig-Holstein Leibeigenschaft und Hofdienste wieder auf. Schon 1767 schloss sich der Schrevenborner Gutsherr Karl-Friedrich von Mevius diesem Vorgehen an und leitete die Umwandlung seiner bisherigen Gutswirtschaft in wirtschaftlich selbstständige Erbpachtstellen ein. Sie war, nach einigen Rückschlägen, bis Ende des 18. Jahrhunderts abgeschlossen.

Die Landgemeinde Heikendorf in preußischer Zeit

Die Eingliederung der Herzogtümer Schleswig und Holstein als neue Provinz in das Königreich Preußen im Jahr 1867 brachte viele grundlegende Reformen und Neuordnungen, u.a. die Selbstverwaltung der Gemeinden. Die Dörfer des Gutes Schrevenborn wurden eigenständige Landgemeinden mit frei gewählten Gemeindevorstehern, blieben aber vorerst noch kleine ländliche Ansiedlungen. 1867 lebten in Altheikendorf 439, in Neuheikendorf 336, in Möltenort 260 und im Gutsbezirk 199 Einwohner, zusammen also 1234. Es waren Bauern, Fischer, Handwerker und einige Gewerbetreibende.

Der Weg von der Landgemeinde zur Wohngemeinde

Die Ernennung Kiels zum Reichskriegshafen 1871 und der Ausbau der Festungs- und Hafenanlagen brachten auch für die Ursprungsorte Heikendorfs grundlegende Änderungen. Im Uferbereich zwischen Möltenort und Laboe entstanden umfangreiche militärische Anlagen und die Ansiedlung und Expansion der Werftindustrie und ihrer Zulieferbetriebe auf dem Kieler Ostufer veränderten das Gesicht der Landschaft grundlegend. In den bäuerlich geprägten Gemeinden entstanden bevorzugte Wohngebiete für die Bürger der nahen Provinzhauptstadt, neue Handwerkswerksbetriebe, zahlreiche Gartenbetriebe für die Versorgung Kiels mit Obst, Gemüse und Blumen sowie Badeplätze für den aufkommenden Fremdenverkehr. Sein Aufschwung, sei es als Tagesausflug, sei es als längerer Urlaub, wurde entscheidend gefördert durch die ersten Dampfschiffe und die Gründung mehrerer Dampferlinien für die Fördeschifffahrt, eine davon durch Heikendorfer Bauern.

Die 1910 gegründete Badeanstalt © Ulrich Dagge
Die 1910 gegründete Badeanstalt © Ulrich Dagge

In Altheikendorf und Möltenort öffneten neue Ausflugsgaststätten und bestehende wurden ausgebaut. Um die Jahrhundertwende hatten sich das Hotel ‚Friedrichshöh‘ in Altheikendorf mit seinem großen Kaffeegarten unter alten Bäumen und das Hotel ‚Seeblick‘ in Möltenort mit einem beindruckenden eleganten ‚Kursaal‘ und überdachter Terrasse über die ganze Seefront zu den bevorzugten Ausflugslokalen für die Kieler Bevölkerung entwickelt. Regelmäßige Tanzveranstaltungen und viele Feste boten den Ausflüglern willkommene Unterhaltung. Flankiert wurde dies durch die Befestigung des Strandes und der Uferpromenade und die Gründung einer privaten Seebadeanstalt. Beide Gemeinden nannten sich nun Ostseebad. 1908 fanden langjährige Planungen für den Ausbau des Möltenorter Fischereihafens ein erfolgreiches Ende, doch geriet die kleine Gemeinde durch einen enormen Anstieg der Kosten während der Bauphase in finanzielle Schwierigkeiten. Diese konnten erst 1913 durch den Zusammenschluss mit Altheikendorf behoben werden.

Konsul-Lieder-Allee Kitzeberg - historische Postkartenansicht © Gemeinde Heikendorf
Konsul-Lieder-Allee Kitzeberg - historische Postkartenansicht © Gemeinde Heikendorf

Es entstand sogar ein neuer Ortsteil: Kitzeberg. Das ehemalige Waldgebiet gehörte zum Gut Schrevenborn und um Erben auszahlen zu können, begann 1899 der damalige Gutsherr, der Hamburger Kaufmann Carl Hermann Wentzel, mit den Planungen für eine Villenkolonie mit detaillierten Vorschriften für die Bebauung.

Die ersten Käufer der Grundstücke waren Hamburger oder Kieler Kaufleute, Professoren der Kieler Universität oder Offiziere der kaiserlichen Marine.

Hier wurde 1902 einer der ersten deutsche Golf-Clubs gegründet und 1904 von den Anliegern das erste Elektrizitätswerk im Kieler Umkreis, eine eigene Telefonzentrale und ein Dampferanleger gebaut.

In der Folge hatte sich die Einwohnerzahl Heikendorfs bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 auf knapp 3000 mehr als verdoppelt.

Heikendorf zwischen den Weltkriegen

Die Zeit des wirtschaftlichen Fortschritts und der zunehmenden Prosperität fand durch den Ersten Weltkrieg und die wirtschaftlichen Krisen der Nachkriegszeit ein jähes Ende. Nach der Niederlage Deutschlands musste die Rüstungsproduktion auf den Werften in Kiel eingestellt werden, alle militärischen Anlagen wurden geschleift. Erst nach einem Jahrzehnt Planungen konnte 1930 auf dem Gelände der Möltenorter Batterie auf dem Landvorsprung am Strand ein erstes U-Boot-Ehrenmal eingeweiht werden.

Erstes U-Boot Ehrenmal 1930 © Gemeinde Heikendorf
Erstes U-Boot Ehrenmal 1930 © Gemeinde Heikendorf

Die große Arbeitslosigkeit belastete die Gemeinde durch hohe Ausgaben im Bereich der Sozialfürsorge. In diese Zeit fiel in Schleswig-Holstein die endgültige Auflösung der Gutsbezirke und so entstand 1928 die Gemeinde Heikendorf aus der Fusion von Neuheikendorf, Schrevenborn und Heikendorf.

Zu Anfang der dreißiger Jahre setzte eine wirtschaftliche Erholung ein, die sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten durch den Ausbau der Rüstungsindustrie, insbesondere der Kriegsmarine in Kiel, beschleunigte. Mit der Einbeziehung Heikendorfs in das Festungsgebiet Kiel 1939 begann der Auf- und Ausbau der bereits vorhandenen Militäranlagen auf dem Jägersberg und in Korügen. Eine Kaianlage für die Ausrüstung der Kriegsmarine mit Munition aller Art, mehrere Flakstellungen, aber auch ein Barackenlager für Fremdarbeiter wurden errichtet.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg boten diese Militäranlagen ein bevorzugtes Ziel für die alliierten Bombenangriffe und infolge mehrerer schwerer Bombenangriffe 1944 war Heikendorf bei Kriegsende größtenteils zerstört. 1945 fanden sich von 648 Häusern nur 25 und von 1122 Wohnungen nur 30 unbeschädigt. Die Bevölkerungszahl, die in den zwanziger Jahren leicht rückläufig gewesen war, stieg zwischen 1933 und 1939 auf fast 4000 Einwohner und wuchs zwischen 1946 und 1950 sprunghaft auf mehr als 5200. Dies war eine Folge des Zustroms von Flüchtlingen und Vertriebenen, der die große Wohnungsnot noch verstärkte. Die Neuankömmlinge kamen zunächst in Notunterkünften und den ehemaligen Wehrmachtsbaracken unter. Erst nach 1948 begann eine beträchtliche Wohnungsbautätigkeit durch verschiedene Träger, zahlreiche Neubaugebiete wurden erschlossen und brachten eine zunehmende Verdichtung der Wohnbebauung und ein weiteres Zusammenwachsen der ursprünglichen Ortsteile. Heikendorf verlor endgültig den Charakter einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde und entwickelte sich mehr und mehr zu einem ‚Schlafvorort‘ Kiels mit einem hohen Anteil an Pendlern unter den Berufstätigen. Die bevorzugte Wohnlage schlug sich im steten Zuwachs der Einwohnerzahl und in Veränderungen in der Sozial- und Wirtschaftsstruktur nieder. So gibt es heute nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe, von denen das Gut Schrevenborn mit Abstand der Größte ist.

Hafen Möltenort © Ulrich Dagge
Hafen Möltenort © Ulrich Dagge

Der andere prägende Wirtschaftszweig, die Fischerei, erlebte nach dem Krieg durch die Zuwanderung ostpreußischer Fischer, die auf ihren Schiffen und mitsamt ihrer Ausrüstung geflohen waren, einen bemerkenswerten Aufschwung.

Die traditionelle Küstenfischerei in der Förde wurde um die traditionellen Fanggebiete der Neuankömmlinge, die diese mit ihren hochseetüchtigen Booten noch immer erreichen konnten, ergänzt. Flankiert wurde diese Entwicklung durch den Ausbau des Möltenorter Hafens in den sechziger Jahren. Um 1970 besaß Heikendorf eine der größten Fischfangflotten Schleswig-Holsteins, doch wenig später setzte der Niedergang der Fischerei ein: die Ausdehnung der Fischereizonen der Ostseeanliegerstaaten, die Einführung von Fangquoten und bürokratischer Kontrollen, aber auch Abwrackprämien bewirkten, dass mehr und mehr Fischer ihre Boote aufgaben. Dennoch landen noch immer Fischerboote ihre Fänge im Hafen an.

Heikendorf heute

Der Entwicklung zu einem beliebten und bevorzugten Wohnort im Kieler Einzugsbereich trug die Gemeinde Rechnung und trieb seit den sechziger Jahren den Ausbau der Infrastruktur in allen Bereichen planmäßig voran:

Hafen in Heikendorf-Möltenort heute © Jochen Kewitz
Hafen in Heikendorf-Möltenort heute © Jochen Kewitz

Die Straßen wurden ausgebaut, im Vorfeld der Olympischen Segelwettbewerbe 1972 flossen Mittel für den Bau eines Sporthafens, die bestehende Volksschule wurde durch Neubauten erweitert und zu einem Schulzentrum mit Grund- und Realschule (heute Gemeinschaftsschule) sowie einem benachbarten Kreisgymnasium weiterentwickelt. 1981 errichtete die Gemeinde in der Ortsmitte ein neues Verwaltungsgebäude. Es entstanden Sporthallen und Sportplätze, Kindergärten und Spielplätze. Die nach jahrzehntelangen Diskussionen und Planungen 2002 endlich fertiggestellte Umgehungsstraße B 502 brachten dem Ortskern Entlastung vom Durchgangsverkehr und eine noch bessere Anbindung der Gemeinde für Pendler. Der Zuwachs an Einwohnern blieb ungebrochen und ihre Zahl liegt heute bei ca. 8300. Um ihre Verwaltungen zu bündeln, schlossen sich die Nachbargemeinden Heikendorf Schönkirchen und Mönkeberg am 1. Januar 2007 zum Amt Schrevenborn zusammen.

In der Gemeinde gibt es ein reges Vereinsleben. Drei Gilden, die Möltenorter Gilde von 1655, die Altheikendorfer Gilde von 1709 und die Neuheikendorfer Gilde von 1824 entstanden schon früh aus dem Gedanken der gegenseitigen Hilfestellung und Absicherung. Sie sind bis heute die Träger der örtlichen Traditionen, nicht zuletzt mit ihren jährlichen Festen und Umzügen. Die Freiwilligen Feuerwehren gehen zurück auf den 1786 schriftlich fixierten ‚Löschzwang‘ für die Bauern des Gutes Schrevenborn, aus dem sich nach Aufhebung der Gutsherrschaft freiwillige Zusammenschlüsse der Bauern zur gegenseitigen Hilfeleistung im Brandfall entwickelten. In Altheikendorf gründeten die Bürger 1877 und in Neuheikendorf 1881 eigene Feuerwehren. Die Freiwillige Feuerwehr Schrevenborn ging 1934 aus der Gutsfeuerwehr hervor. Die beiden erstgenannten sind noch heute für die Hilfe im Brandfall und für Rettungsdienste im Gemeindegebiet zuständig.

Auch die Sportvereine und Clubs können auf eine langjährige Tradition verweisen, u.a. der Heikendorfer Sportverein von 1924 und der Golfclub Kitzeberg, der einer der ältesten Golfclubs Deutschlands ist.

 

 

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